HWK OMV

Wirtschaftliche Situation im Handwerk leicht stabilisiert

Rostock, Neubrandenburg 12. April 2010


Die wirtschaftliche Situation hat sich im Bereich der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum insgesamt leicht stabilisiert, wenn auch die Wirtschaftslage in den einzelnen Gewerken und Regionen unterschiedlich bewertet wird. Derzeit bieten 12.342 Handwerksbetriebe im Kammerbereich ihre Produkte und Dienstleistungen an.

Der Geschäftsklimaindex ist im Vergleich zum Frühjahr 2009 leicht gestiegen, konnte jedoch das Niveau des Sommers 2009 nicht ganz erreichen. „Dies zeigt, dass das Handwerk in der Region nicht mit voller Härte von der Wirtschaftskrise erfasst wurde. Die Auftragsbestände bewegten sich zu Jahresbeginn auf dem gleichen Niveau wie zum Vorjahresvergleich. Annähernd Dreiviertel der Handwerksbetriebe konnten ihre Mitarbeiterzahlen halten. Saisonal bedingt gab es jedoch im Vergleich zum Sommer Rückgänge in der wirtschaftlichen Entwicklung“, so Claudia Alder, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Relativ stabil ist die aktuelle Wirtschaftsituation nach den Worten der Hauptgeschäftsführerin bei den Betrieben des Gewerblichen Bedarfes und bei den Gesundheitshandwerkern, während im Kfz-Handwerk und in der Baubranche eher Zurückhaltung zu spüren ist. Nach dem Jahr der Abwrackprämie und den zurückgehenden Aufträgen im Kfz – Handwerk sei abzuwarten, wie sich die Kundennachfrage in den nächsten Monaten entwickelt. In der Baubranche müssten nach den Konjunkturpaketen für Folgeaufträge durch öffentliche Auftraggeber gesorgt werden, um Arbeits- und Ausbildungsplätze zu erhalten. Die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerarbeiten habe sich als ein effektives Mittel gegen Schwarzarbeit erwiesen und dem Handwerk Impulse gegeben. Deshalb sollte dies erhöht werden. Die Förderung von Energieeffizienz und energetischer Gebäudesanierung bringe den Klimaschutz voran und sichere gleichzeitig hochqualifizierte Arbeitsplätze.

„Wir brauchen jetzt aber einen selbsttragenden, nachhaltigen Aufschwung. Deshalb muss die Binnenkonjunktur weiter angekurbelt, die Handwerksbetriebe von den Lohnzusatzkosten entlastet werden“, betont Hauptgeschäftsführerin Alder.

 

Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage im Einzelnen:

Die derzeitige Geschäftslage wird von der überwiegenden Zahl der Betriebe als gut und befriedigend beurteilt. Aber immerhin 38% der Betriebe bewerten die Geschäftslage als schlecht. Schlechte Bewertungen kommen insbesondere aus dem Kfz-Gewerbe (47%) und aus dem Bauhauptgewerbe (49%). Im Kfz-Gewerbe lässt sich die Sonderkonjunktur 2009 durch die Umweltprämie nicht wiederholen. Dagegen sehen 26% der Betriebe des Gewerblichen Bedarfes und 26 % der Gesundheitshandwerker die derzeitige Geschäftslage als gut an. Die besten Ergebnisse sind im Gesundheitshandwerk mit 75% guten und befriedigenden Bewertungen zu verzeichnen.

Der derzeitige Auftragsbestand der Betriebe befindet sich auf dem Niveau des Frühjahres 2009, liegt aber unter dem des Sommer 2009. Von 49% der Betriebe wird er als gleichbleibend bzw. steigend bezeichnet (Sommer 2009 63%). Im Kfz-Gewerbe schätzen 64% der befragten Betriebe den Auftragsbestand als gesunken ein. Positive Einschätzungen zu den Auftragsbeständen geben u.a. das Bauhauptgewerbe und das Handwerk für den Gewerblichen Bedarf ab. Bei 39% der Betriebe (Sommer 2009 36%) reichen die Auftragsbestände acht und mehr Wochen.

Die derzeitige Betriebsauslastung hat sich im Vergleich zum Sommer 2009 verschlechtert. Immerhin 20% der Betriebe melden eine 81-100%ige Auslastung und liegen damit auf dem Niveau des Frühjahres 2009. Andererseits melden 36% der Betriebe eine Auslastung von weniger als 50%. Die beste Auslastung zeigt das Ausbaugewerbe; 32 % dieser Betriebe melden eine 81-100%ige Auslastung. Die Handwerksbetriebe des Gewerblichen Bedarfes, darunter die Metallbauer, melden ähnlich gute Auslastungen. Die zu erwartenden Auftragsrückgänge bei den Zulieferern sind nicht im befürchteten Umfang eingetreten. Die geringste Betriebsauslastung ist im Bauhauptgewerbe zu erkennen. Hier werden die Auswirkungen des langen Winters sichtbar.

Die derzeitige Umsatzentwicklung ist im Vergleich zum Sommer 2009 gesunken, liegt aber im vergleichbaren Niveau des Frühjahres 2009. Rund 62% der Betriebe geben gesunkene Umsätze gegenüber dem Vorquartal an. Dagegen gibt jeder Dritte Befragte gleiche Umsätze gegenüber dem Vorquartal an. Die deutlichsten  Rückgänge sind im Bauhauptgewerbe und im Kfz-Gewerbe zu verzeichnen.

Auf dem Beschaffungsmarkt herrscht nach wie vor ein erheblicher Preisdruck. 44% der Unternehmen geben eine Erhöhung der Einkaufspreise an und nur 12% können diese erhöhten Einkaufspreise bei den Verkaufspreisen an ihre Kunden weitergeben. Darunter fallen fast alle Gewerke.

Die derzeitige Beschäftigungssituation im Vergleich zum Vorquartal ist in den Betrieben nach wie vor relativ stabil. 72% der Befragten hielten die Mitarbeiteranzahl konstant. Immerhin 6% der Betriebe haben Neueinstellungen, aber nur 22% haben Entlassungen im letzten Quartal vorgenommen. Die meisten Entlassungen wurden im Bauhauptgewerbe gemeldet.

Die Investitionstätigkeit der Betriebe ist im Vergleich zum Vorquartal leicht gestiegen. 51% haben ihre Investitionsausgaben im Vergleich zum Vorjahr auf stabilem Niveau gehalten oder erhöht (Sommer 2009 45%). Eine überdurchschnittliche Investitionstätigkeit ist im Gesundheitshandwerk, eine deutliche Zurückhaltung der Investitionstätigkeit ist in dem vom Winter besonders betroffenen Bauhauptgewerbe zu verzeichnen.

Entwicklungstendenzen

Trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation zeigen sich im Handwerk vorsichtig optimistische Erwartungen. Der Blick in die Zukunft wird durch die gegenwärtige wirtschaftliche Situation im Kammerbezirk geprägt. Die Hälfte aller befragten Unternehmer geht davon aus, dass die erwartete Geschäftslage sich nicht grundlegend ändert. Fast jeder Dritte befragte Handwerksbetrieb bewertet seine erwartete Geschäftslage als gut. Die Mehrzahl der Betriebe geht auch weiterhin von einer guten oder gleichbleibenden Geschäftslage aus.

In fast allen Handwerksgewerben ist eine vergleichsweise optimistische Erwartung zur Verbesserung der Lage zu erkennen. Hier scheinen die positiven Entwicklungssignale der Gesamtwirtschaft in Deutschland die Stimmung aufzuhellen. Im Bauhauptgewerbe und im Handwerk für den gewerblichen Bedarf erwarten 80% der Betriebe eine gute bzw. befriedigende Geschäftslage.

Diese positiven Signale führen zu einer steigenden Neigung zu Investitionen. Schwerpunkte der Investitionstätigkeiten sollen Maßnahmen zur Kostenreduzierung und Wettbewerbsstärkung sein.

Die Betriebe planen zukünftig wieder mit zusätzlichem Personal. Mitarbeitereinstellungen wollen in den kommenden Monaten 12% der Befragten vornehmen. Nur 10% aller Befragten (Sommer 2009 21%) gehen davon aus, sich von Mitarbeitern trennen zu müssen.

Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, dass sich das Handwerk als wichtiger Stabilisator in der Krise erweist. Es konnte den Auswirkungen der Wirtschaftskrise und des langen Winters gut trotzen. Saisonale Schwankungen führten nicht zu einer kritischen Lageeinschätzung im Handwerk des Kammerbezirkes .