Hanse Sail Business ForumUnternehmer und Landesregierung diskutieren Investitionschancen für M-V

Rund 200 Unternehmer des Landes sowie Gäste aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft kamen heute zum Hanse Sail Business Forum (HSBF) in Rostock zusammen. Das diesjährige Thema war „Schulden zu Chancen: Was hat M-V von den Finanzpaketen?“

Im Zentrum stand die Frage, wie die vom Bund und Land bereitgestellten Milliardenmittel sinnvoll in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt werden können – und welche konkreten Impulse sich daraus für die Wirtschaft des Landes ergeben.

Generalsekretär Holger Schwannecke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gab mit seinem Impulsvortrag dem wirtschaftspolitischen Austausch wichtige Denkanstöße.

Zum HSBF hatte der Initiativkreis Wirtschaft, bestehend aus der Industrie- und Handelskammer zu Rostock, der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, und dem Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V. sowie mit dem Enterprise Europe Network M-V Wirtschaft, Verwaltung und Politik, eingeladen.

Klare Worte, ehrlicher Austausch

Unsere Bauwirtschaft ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und die geplanten Investitionen zum Ausbau der verkehrstechnischen sowie Infrastruktur von Schulen, Berufsschulen und Bildungszentren bis zu dringend gebrauchten Wohnungen in höchster Qualität zügig umzusetzen. Auftragseingänge im Bau sind im Vorjahresvergleich weiterhin volatil. Die Vergabe an regionale Unternehmen sichert somit Arbeits- und Ausbildungsplätze im Land und schafft Perspektiven. Die Unternehmen brauchen dafür aber jetzt Planungssicherheit,

betonte Präsident Axel Hochschild von der Handwerkskammer während seiner Begrüßung.

Präsident Klaus-Jürgen Strupp von der Industrie- und Handelskammer findet ebenfalls klare Worte während des Austausches mit Vertretern der Bundes- und Landespolitik: „Die Gelder aus den Sondervermögen des Bundes dürfen nicht an der regionalen Wirtschaft vorbeifließen. Die Mittel bieten eine Chance – aber nur, wenn sie eben auch vor Ort ankommen und für Investitionen eingesetzt werden. D. h. öffentliche Vergaben müssen so gestaltet sein, dass sie die regionale Wirtschaft unmittelbar stärken. Unsere kleine und mittelständische Wirtschaft hat überhaupt erst eine Chance auf Beteiligung, wenn die Losgrößen auf sie zugeschnitten werden und der vergaberechtliche Rahmen unbürokratisch funktioniert, zügige Entscheidungen ermöglicht und Wertschöpfung im Land hält.“

„Die Investitionspakete sind mehr als Krisenbewältigung – sie sind eine Brücke in eine zukunftsfähige Wirtschaft für unser Land. Besonders in den Bereichen Infrastruktur, Digitalisierung, Energiewende und Bildung gibt es großen Nachholbedarf im Land. Doch die geplanten Maßnahmen müssen jetzt kommen“, forderte Präsident Frank Oestreich vom Unternehmerverband.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig warb im Rahmen des HSBF für das steuerliche Wachstumspaket und das Sondervermögen Infrastruktur: „Deutschland steht vor großen Aufgaben. Wir müssen die Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze sichern. Die deutsche Wirtschaft stagniert das dritte Jahr in Folge. Deshalb ist es wichtig, dass wir das steuerliche Wachstumspaket der Bundesregierung noch vor der Sommerpause auf den Weg gebracht haben. Und wir brauchen einen Modernisierungsschub bei der Infrastruktur. Auf der Straße, auf der Schiene, in den Häfen. Wir benötigen Investitionen in Bildung und Forschung, in moderne Krankenhäuser und Energie. Deshalb hat Mecklenburg-Vorpommern die Grundgesetzänderung für das Sondervermögen Infrastruktur im Bundesrat unterstützt. Unser Land profitiert mit fast 2 Milliarden Euro direkt davon.“

Den Blick über die Ländergrenzen hinaus richtete ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke während des Forums der regionalen Wirtschaft: „Die neue Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag viel Richtiges vorgenommen – in stürmischen Zeiten muss sie jetzt beweisen, dass sie auch Kurs halten kann. Als Rückgrat der Binnenkonjunktur müssen sich klein- und mittelständische Unternehmen und Betriebe wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Dafür braucht es einen spürbaren Bürokratieabbau, mutige Reformen im Sozialversicherungssystem, die Lohnzusatzkosten nachhaltig begrenzen und einen klaren Fokus auf neue Investitionen in den Standort, damit Betriebe Zukunftspläne auch umsetzen können.“

Die Rostocker Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger sprach konkrete Projekte der Hansestadt an, für die Investitionen geplant sind: "Die Hanse Sail zeigt: Unsere Geschichte und unsere Chancen in Rostock haben auch wirtschaftlich immer mit der Lage am Wasser zu tun. Eindrucksvoll beweisen wir das gerade mit der Umgestaltung eines früheren Werftbeckens in Warnemünde. Dort wird der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz sein neues `Rostock Offshore Quartier` bauen und Rostocker Unternehmen bringen ihre Kompetenzen und ihr Know-How ein, um diese Pläne umzusetzen."

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Finanzminister Dr. Heiko Geue, Holger Schwannecke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie Ingo Aschmann, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Inros Lackner SE und Unternehmer Harry Richert von der Warnemünder Bau GmbH offen über Chancen, aber auch Herausforderungen: Bürokratieabbau, Planungsbeschleunigung sowie grundsätzliche Erwartungen an die Wirtschaftspolitik in Bund und Land als Erfolgsfaktoren.