Es reicht!
Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern am Limit: Explodierende Sprit- und Energiepreise gefährden Versorgung und Wertschöpfung
Die massiv gestiegenen Sprit- und Energiepreise belasten das Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern mit seinen ca. 20.000 Betrieben überproportional. In einem Flächenland mit überwiegend ländlichen Strukturen sind weite Wege unvermeidbar: zu Kunden, zu Baustellen, zu Filialen, zu Lieferanten sowie beim Einkauf von Material und Rohstoffen.
Im Schnitt verfügt jeder Handwerksbetrieb über rund vier Fahrzeuge, von denen jedes einzelne täglich durchschnittlich etwa 74 Kilometer zurücklegt. In Gewerken wie Straßenbau, Gebäudereinigung, Gerüstbau oder Metallbau sind es oft 100 Kilometer und mehr – pro Fahrzeug, pro Tag. Gerade in Mecklenburg-Vorpommern schlagen die hohen Kraftstoffpreise deshalb besonders heftig ins Kontor.
Betroffen sind ebenfalls Gewerke mit ihren rollenden Werkstätten wie im SHK- oder Elektrobereich bzw. Bäcker und Fleischer, die ihre Filialen täglich versorgen. Hinzu kommen Gesundheitshandwerke, deren Leistungen oft direkt bei den Patienten erbracht werden müssen. Wenn Mobilität unbezahlbar wird, gerät die Versorgung im ländlichen Raum insgesamt in Gefahr.
Die Spritpreise für das Handwerk müssen deshalb bezahlbar bleiben! Der Staat darf nicht zum Krisengewinner werden und muss die erhöhten Einnahmen beim Sprit sowie bei der CO2-Steuer schnellstmöglich zur Entlastung der Unternehmen und Bürger einsetzen, fordern die Handwerkskammern des Landes MV. Bei einem Benzinpreis von 2,20 Euro entfallen an den Staat ca. 1,30 Euro. Auch die Tatsache, dass auf Energiesteuern noch die Mehrwertsteuer erhoben wird, wird vom Handwerk scharf kritisiert.
Gleichzeitig geraten die Betriebe aller Branchen auch bei den Energiekosten immer stärker unter Druck. Hohe Strompreise treffen produzierende und verarbeitende Handwerksbetriebe ins Mark. Besonders enttäuschend ist: Von der schwarz-roten Regierungskoalition waren Entlastungen für alle mit einer Kostensenkung von mindestens fünf Cent angekündigt. Auch dieses Versprechen wurde bisher nicht eingelöst! Das sorgt für Frust bei vielen Unternehmen sowie einen weiteren Vertrauensverlust gegenüber der Bundespolitik.
Damit sind Arbeits- und Ausbildungsplätze im Handwerk, die Versorgung vor allem im ländlichen Raum sowie die handwerkliche Wertschöpfung insgesamt im Land in Gefahr. Dringend notwendige Investitionen können nicht mehr erfolgen, weil die finanziellen Spielräume dramatisch sinken. Das hat Folgen weit über die einzelnen Betriebe hinaus, weil viele Kunden aus Unsicherheit und wegen eigener Mehrbelastungen Aufträge verschieben oder gänzlich streichen.
Vorhaben wie in der Baubranche für den Ausbau der Bildungsinfrastruktur bis zu Straßen und Brücken im Land drohen aufgrund der Kostenbelastung der Betriebe in der Sackgasse zu enden.
Die Landesregierung muss ihren Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Der Bund muss jetzt handeln und seine Versprechen einlösen. Wer Entlastung ankündigt, muss sie auch liefern.
Die Handwerkskammern des Landes fordern deshalb:
- JETZT die Spritpreise u.a. durch Senkung der Steuern an den Zapfsäulen reduzieren, der Staat darf kein Krisengewinner sein
- Die Bundesregierung muss den Druck auf Mineralölkonzerne erhöhen
- Freigabe eines Teils der Ölreserven
- Keine politischen Sonntagsreden, sondern Umsetzung der Versprechen der Bundesregierung, für alle die Energiekosten um 5 Cent zu senken