Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern kritisieren geplante HeizungsverboteAn der Realität vorbei
Zur Umsetzung der Energiewende sollen ab 2024 jährlich rund 500.000 neue Wärmepumpen in Deutschland eingebaut werden. Zudem soll ebenfalls ab 2024 ein Verbot für den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen gelten. Entsprechende Pläne der Bundesregierung halten die Handwerkskammern im Land für völlig unrealistisch.
Uwe Lange, Präsident der Handwerkskammer Schwerin und Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern sagen: „Durch Wunschdenken der Politik allein wird es so kurzfristig keinen flächendeckenden Ersatz von Gas- und Ölheizungen durch Wärmepumpen geben. Dem Handwerk fehlt es, wie überall, auch in Mecklenburg-Vorpommern an Fachkräften und an verfügbarer Technik auf dem Markt.“
Zudem stelle sich für viele Hausbesitzer die Frage der Finanzierung. Zuschüsse, Kredite und steuerliche Förderungen würden nicht ausreichen. „Denn viele Hauseigentümer in unserem Bundesland, insbesondere Rentner, junge Familien, Verbraucher, die sich gerade erst eine neue Gas- oder Ölheizung angeschafft haben oder einkommensschwach sind, könnten sich keine Wärmepumpe leisten. Die Kosten für den Geräteeinbau und die energetische Sanierung älterer Gebäude summieren sich schnell.“ Zudem sei nicht jedes Gebäude für einen schnellen Umstieg von Verbrennerheizung auf Wärmepumpen geeignet. Deshalb sollten zuerst geeignete Bestands- und neue Gebäude mit neuen Heizungen versorgt werden, die Umstellung der Technik ohne den immensen Druck und über einen längeren Zeitraum auf Basis der Freiwilligkeit erfolgen.
Statt notwendige Techniken im Bestand zu verbieten, so Lange und Hochschild, sollte dringend die energetische Sanierung der Gebäude weiter vorangetrieben und technologieoffen individuelle Lösungen ermöglicht werden. „Auch mit Blick auf die geplante Sanierungspflicht der EU wären hier zielgerichtete Programme sinnvoller als eine Konzentration nur auf Heiztechnik“.
Die kommenden Monate bleiben nach Einschätzung der Kammerpräsidenten für die Handwerksbetriebe schwierig, da die Kostenbelastung der Betriebe durch die Energiepreise auch im Jahr 2023 weiter zunehmen wird. Hinzu kommen die weiter angespannten Lieferketten. „Hohe Beschaffungspreise auf der einen sowie stark gestiegene Verbraucherpreise auf der anderen Seite nehmen die Betriebe in die Zange“, so die Kammerpräsidenten.
Wichtig sei, dass vor allem die öffentliche Hand weiter investiere und geplante Bau- und Sanierungsprojekte nicht ausgesetzt würden.