AdobeStock_164392593

Landtagswahl 2026

Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt.




Forderungen des Handwerks

Es sind die Handwerksbetriebe im Land, die Arbeits- und Ausbildungsplätze vor allem auch im ländlichen Raum sichern. Deshalb müssen gerade die kleinen und mittleren Betriebe endlich von zu hohen Lohnneben- und Energiekosten bis zur Bürokratie entlastet werden.

Axel Hochschild
Präsident Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern



Das Handwerk als das wirtschaftliche Rückgrat des Landes braucht verlässliche und gute Rahmenbedingungen. Meisterqualifikation, Selbstständigkeit und Unternehmertum müssen gestützt und gewürdigt werden, damit es auch in Zukunft ein starkes Handwerk im Land gibt.

Uwe Lange
Präsident Handwerkskammer Schwerin



Die Forderungen kurz zusammengefasst



Berichts- und Dokumentationspflichten: Konsequent auf das unbedingt notwendige Maß reduzieren
Praxis- und digitaltaugliche Gesetzgebung: Zentrales, vollständig digitales Serviceportal nach dem Once-Only-Prinzip einrichten, damit Betriebe ihre Daten nur einmal angeben müssen
Einrichtung eines Landes-Normenkontrollrates: Neue Gesetze und Regelungen systematisch auf Bürokratiebelastungen für Handwerksbetriebe prüfen, Praxis-Check
Genehmigungen beschleunigen: Bauanträge und -genehmigungen landesweit digitalisieren
Landesbauordnung flexibilisieren: u.a. die „Kleine Bauvorlageberechtigung“ auf Meister des konstruktiven Metallbaus erweitern
Vergaben handwerksgerecht gestalten: Primat Fach- und Teillose, Vergabeverfahren vereinfachen
Gebäudetyp E rechtssicher verankern: für kostengünstigeres Bauen als Basiswohnstandard verankern
Existenzgründungen und Betriebsübergaben erleichtern: Meistergründungsprämie anpassen, Unternehmergeist stärken
Gewerbeflächen, Wohnen und Arbeiten: Standorte sichern und Infrastruktur ausbauen (ÖPNV, Glasfaser, Versorgungsnetze), Handwerkerparken erleichtern
Regionale Wertschöpfung stärken: Regionale Wirtschaftskreisläufe stärken (Mühlen, Schlachtereien, Lebensmittelverarbeitung), kurze Liefer­ketten fördern
Bildungsinfrastruktur des Handwerks stärken: Investitionen in Bildungsstätten des Handwerks und Berufsschulen verstärken
Berufsschulstandorte erhaltenMobilität verbessern: Dauerhaftes AzubiTicket MV und Weiterentwicklung zum Bildungsticket für Weiterbildungen, Führerschein fördern
Aufstieg fördern: „Meister-Extra“ von 2.000 auf 4.000 Euro erhöhen
Nachwuchsgewinnung stärken: Praktikumsprämie zur Fachkräftegewinnung verstetigen, Handwerksjahr im Bundesfreiwilligendienst unterstützen
Keine neuen Belastungen: Keine zusätzlichen Abgaben oder Steuern für das Handwerk
Energiekosten senken: Senkung der Stromsteuer, sichere Energieversorgung, Speicherlösungen fördern
IT-Sicherheit und Digitalisierung stärken: Niedrigschwellige Förderprogramme für Cybersicherheit, Digitalisierung und KI-Unterstützung in Handwerksbetrieben bereitstellen
 


HWK OM-V

Langfassung der Forderungen

 Laden Sie sich hier das A 3 Plakat herunter.

LINK





Antworten der Politik auf die Frage: Was wollen Sie für das Handwerk tun?

Die Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern haben die fünf aktuell im Landtag vertretenen Fraktionen zu ihrer Haltung und ihren politischen Plänen zum Handwerk befragt. Unter der Überschrift „Was wollen Sie für das Handwerk tun?“ standen vier große Themen bei dieser Umfrage im Vordergrund.



SPD M-V

Spitzenkandidatin Manuela Schwesig



Besonders kleinere Unternehmen, wie Handwerksbetriebe benötigen digitale und schnellere Verwaltungsverfahren, mehr Planungssicherheit bei Genehmigungen und einfachere Beteiligung an kommunalen Vergabeverfahren. Die Umsetzung der geplanten Bauvorhaben im Rahmen des Sondervermögens sollen die lokale Wertschöpfung im Handwerk stärken.
Ein starkes Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Deshalb wollen wir auch unser Netz an beruflichen Schulen und die dortige Ausbildung stärken. Dazu gehören sowohl mehr Lehrkräfte an den Schulen, eine bessere digitale Unterstützung der Auszubildenen während des Unterrichts, als auch die Fortsetzung des vergünstigten Azubitickets. Die duale Ausbildung muss von unseren Kindern, aber auch von ihren Eltern als gleichwertiger Karriereweg zu einem Studium Anerkennung finden. Deshalb werden wir die Kampagne „Besser ein Meister“ fortführen und berufliche Orientierung in allen weiterführenden Schulen weiter stärken.
Steigende Energiekosten stellen vor allem das Handwerk vor wachsende Herausforderungen. Deshalb setzen wir uns für einfache und vor allem billige Lösungen zum Energy Sharing für Betriebe ein, sowie einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien, um unser Land und unsere Wirtschaft langfristig vor den massiven fossilen Energiekostensteigerungen zu schützen.
In der aktuellen Situation steht für uns im Vordergrund, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen durch stabile und kalkulierbare Energiepreise zu sichern. Angesichts der globalen Krisenlage ist es essenziell, dass die Energiekosten für die Logistik und das Handwerk nicht zur existenziellen Bedrohung werden. Hier ist der Bund gefordert, durch eine verlässliche Energiepolitik und die konsequente Umsetzung des Kartellrechts sicherzustellen, dass Entlastungen auch bei den Endverbrauchern ankommen.
Für die Zukunft stehen die Zeichen klar auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien – in MV vor allem Wind, Sonne und Biomasse – und der gezielten Anpassung von Netzen und Speichermöglichkeiten, um die Abhängigkeit Mecklenburg-Vorpommerns von teuren fossilen Energieimporten deutlich zu reduzieren und die Preisvorteile der Erneuerbaren vollständig zu nutzen. Studien zeigen, dass unser Strompreis heute ohne erneuerbare deutlich höher läge, wenn wir nur Strom aus Kohle, Gas und Atom verwenden würden.
Mit Konzepten wie dem Energy-Sharing können wir dafür sorgen, dass die Kostenvorteile erneuerbaren Stroms auch direkt vor Ort genutzt werden können.
Gerade bei der Transformation zur Elektromobilität müssen wir die Hürden für Handwerksbetriebe senken. Es geht darum, die Ladeinfrastruktur im ländlichen Raum massiv auszubauen und Anreize zu schaffen, die den Einsatz emissionsfreier Flotten für KMU wirtschaftlich attraktiv machen, statt sie durch bürokratische oder finanzielle Hürden zu bremsen.
Beim Strompreis benötigen wir seitens des Bundes endlich Entlastungen, die nicht nur bei den Großverbrauchern der Industrie, sondern auch bei KMU und insbesondere Handwerksbetrieben ankommen. Wir werden uns insbesondere gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium dafür einsetzen, hier für MV geeignete Lösungen vorzulegen.
In der Vergangenheit wurde viel zu oft von Bürokratieabbau gesprochen, ohne dabei konkrete Maßnahmen zu diskutieren. Das führte oft zu holen Phrasen wie wirkungslosen „One In – One Out“ oder sogar „One-In – Two Out“-Regeln. Geholfen haben diese Phrasen den überlasteten Betrieben jedoch selten. Deshalb haben wir einen Bürokratiemelder für Unternehmen geschaffen (www.buerokratiemelder-mv.de). Das gibt Betrieben, Kammern und Verbänden endlich die Chance Bürokratie genau dort bei der Landesregierung anzumerken, wo der Schuh auch wirklich drückt. Denn die Betriebe wissen selbst am besten, wo es klemmt.
Außerdem haben wir die Wertgrenzen für Direktvergaben des Landes und der Kommunen deutlich angehoben, um z.B. auch kleinere Bauleistungen schneller und bürokratieärmer an Handwerksbetriebe vor Ort vergeben zu können.
Damit die Verwaltung auch für Unternehmen und ihre Anliegen handlungsfähig bleibt braucht es künftig vollständig digitalisierte Prozesse - vom Antrag bis zum Bescheid. Einmal erhobene Daten der Unternehmen müssen behördenübergreifend genutzt werden, um überflüssige Berichtspflichten zu vermeiden.
Noch bevor Schülerinnen und Schüler eine für sie passende Ausbildung beginnen können, brauchen sie die Chance eigene Stärken und Vorlieben z.B. durch Praktika in örtlichen Handwerksbetrieben auszuloten. Das senkt gleichzeitig auch die Abbrecher- und Wechselquoten von Azubis in einem bestehenden Ausbildungsvertrag. Deshalb haben wir die Berufsorientierung an allen weiterführenden Schulen deutlich ausgeweitet und eine Praktikumsprämie für Handwerksbetriebe eingeführt. Diese Maßnahmen gilt es in den kommenden Jahren zu evaluieren und gegebenenfalls auszuweiten, um allen Kindern den Übergang von der Schule in eine weitere Ausbildung zu ermöglichen. Ziel muss es künftig sein allen Schülerinnen und Schülern eines Jahrgangs, egal welcher Herkunft, eine Perspektive in MV zu ermöglichen.
Wer mittel- und langfristig mehr Azubis an unseren beruflichen Schulen verspricht, macht sich aufgrund des immer stärker durchschlagenden demografischen Wandels unglaubwürdig und streut den Menschen Sand in die Augen. Ziel muss es deshalb sein, trotz sinkenden Azubizahlen alle Standorte der beruflichen Schulen auch in Zukunft zu erhalten. Dafür bedarf es nicht nur einer modernen Ausstattung unserer Schulen und ausreichender Lehrer an unseren beruflichen Schulen, sondern auch digitale Lösungen, die unseren Kindern eine Vielzahl an Ausbildungsgängen ermöglicht, ohne dafür weite Pendelwege in benachbarte Bundesländer auf sich nehmen zu müssen.
 


SPD M-V





DIE LINKE. M-V

Spitzenkandidatin Simone Oldenburg



Kostenfreie Meisterausbildung
Wir wollen schrittweise finanzielle Hürden für den beruflichen Aufstieg abschaffen und die Meisterausbildung dem kostenfreien Studium gleichstellen. Damit wollen wir direkt in die Qualifikation investieren und eine Existenzgründung oder Nachfolge ohne die Last hoher Fortbildungsschulden ermöglichen.
Sicherung der Nachfolge
Eine der drängendsten Fragen für viele Betriebe ist die Fortführung des Betriebes  durch eine/einen geeignete/n Nachfolger/in. Nicht selten droht die Schließung eines erfolgreichen Unternehmens. Etablierte Instrumente, wie die Beratungsangebote der Nachfolgezentrale wollen wir fortsetzen. Zusätzlich wollen wir neue Wege gehen. Damit Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern auch dann eine Zukunft haben, wenn die klassische Nachfolge fehlt, setzen wir auf die Kraft der Gemeinschaft. Künftig soll Belegschaften ein privilegiertes Vorkaufsrecht eingeräumt werden, wenn ein Betrieb vor der Schließung steht. Um diesen Übergang wirtschaftlich abzusichern, wollen wir einen Landes-Beteiligungsfonds für Genossenschaften etablieren. Das Land stellt hierbei die notwendigen Darlehen und das Startkapital bereit, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren eigenen Betrieb übernehmen und als Genossenschaft erfolgreich weiterführen können.
Regionalisierung durch das Vergabegesetz MV
Wir wollen unser heimisches Handwerk gezielt stärken und die regionale Wertschöpfung zum Maßstab unserer Politik machen. Seit Jahrzehnten gelingt es bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen nicht, andere Kriterien, als den Preis in den Mittelpunkt zu stellen. Uns geht es hingegen um Nachhaltigkeit im Sinne von regionalen Kreisläufen. Wir wollen das Vergabegesetz des Landes in dieser Hinsicht weiterentwickeln. Das kann gelingen, wenn öffentliche Aufträge konsequent in kleineren Losen ausgeschrieben werden und an Kriterien wie Tariftreue sowie ökologische Nachhaltigkeit gebunden sind. So wollen wir sicherstellen, dass Steuergelder in Mecklenburg-Vorpommern bleiben und bevorzugt jene Betriebe zum Zuge kommen, die hier vor Ort ausbilden und fair bezahlen.
Die Energiekosten sind für viele Betriebe zur Existenzfrage geworden. Wir Linke setzen uns für eine Energieversorgung ein, die sich nicht an den Profiten der Energiekonzerne, sondern am Bedarf des Mittelstandes orientiert. Unser Ziel ist eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, die wir durch drei Hebel erreichen:
Ausbau von Erneuerbaren Energien
Wir forcieren den schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien und investieren massiv in Speichertechnologien. Strom und Wärme müssen dezentral dort erzeugt werden, wo sie gebraucht werden. Wir wollen, dass Handwerksbetriebe zu eigenen Energiewirten werden können: Selbst erzeugte Energie muss ohne bürokratische Hürden direkt vor Ort im Unternehmen genutzt und gespeichert werden dürfen. Das senkt Kosten und macht Sie unabhängig von den Schwankungen der Weltmärkte.
Energiepreisdeckel
Wir brauchen eine radikale Reform des Strommarktes. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass das Merit-Order-Prinzip den Strompreis künstlich hochtreibt, indem das teuerste Gaskraftwerk den Preis für günstigen Ökostrom diktiert. Wir fordern die Abschaffung dieses Mechanismus und die Einführung eines wirksamen Energiepreisdeckels, der explizit auch für das Handwerk gilt.
Senkung der Stromsteuer
Zur sofortigen Entlastung fordern wir, die Stromsteuer für alle Betriebe auf das europäische Mindestmaß zu senken. Es darf nicht sein, dass der Staat an den hohen Energiepreisen mitverdient, während solide Werkstätten um ihre Existenz bangen. Wir wollen Energiepreise, die „Made in MV“ wieder wettbewerbsfähig machen
Leider ist es noch nicht hinreichend gelungen, die über Jahrzehnte aufgebaute Bürokratie wieder einzudämmen. Gerade kleine Unternehmen müssen zu viel Zeit für die Bearbeitung bürokratischer Anforderungen aufwenden. Das muss sich wieder ändern. Allerdings lohnt es sich genau hinzuschauen. Zahlreiche Regeln schützen ehrliche Unternehmen auch vor „Schwarzen Schafen“. Darüber hinaus dienen sie dem Arbeits- und Gesundheitsschutz und beugen Arbeitsunfällen vor. Politik muss also differenziert auf bestehende Pflichten schauen und identifizieren, auf welcher Ebene, welche bestehende Regelung abgeschafft werden kann. Zum Thema Entlastung schlagen wir daher ff. konkrete Punkte vor:
Allgemeines Moratorium bis 2027
Wir wollen eine befristete Aussetzung aller nicht zwingend erforderlichen nationalen Berichtspflichten bis zum 31. Dezember 2027. Dies verschafft dem Handwerk eine echte „Atempause“, in der wir systematisch prüfen, welche Pflichten dauerhaft gestrichen werden können, weil ihr Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand steht.
Befreiung von der Produktionsstatistik für Kleinbetriebe
Wir fordern, dass Kleinbetriebe endlich von den Berichtspflichten nach dem Gesetz über die Statistik im Produzierenden Gewerbe befreit werden. Das bedeutet für viele Handwerksbetriebe: Weniger Zeit als unbezahlte Datenlieferanten für das statistische Landesamt und mehr Zeit für die eigentliche Arbeit am Kunden.
Weniger Papierkram beim Abfall
Die Dokumentationspflichten der Gewerbeabfallverordnung sind für viele Gewerke – besonders im Bau- und Ausbaubereich – ein riesiger Zeitfresser. Diese bürokratischen Hürden sollen massiv reduziert werden, damit nicht jede Schuttschaufel dreimal dokumentiert werden muss.
Eine gute Ausbildung von Fachkräften ist das Rückgrat für die Wirtschaft. Dieser Bedeutung sind wir uns bewusst. Folgende Maßnahmen wollen wir ergreifen, um die Ausbildung zu stärken, mehr junge Menschen in Ausbildung bringen und die Ausbildung so stabil zu machen, dass Betriebe ausbilden und Auszubildende bleiben.
Erstens: frühere und verbindlichere Berufsorientierung. Es gibt das neue Konzept „Alle werden gebraucht!“, das ab dem Schuljahr 2025/2026 verbindlich umgesetzt wird. Ziel ist, Berufswahlkompetenz zu stärken, Jugendliche früher mit Berufsbildern vertraut zu machen und zu verhindern, dass junge Menschen „für den Arbeitsmarkt verloren gehen“. Das wird gerade dem Handwerk helfen. Mehr Praxistage, mehr Werkstattkontakte, mehr Kooperationen mit Handwerkskammern und Betrieben. Diesen Ansatz wollen wir fortsetzen und intensivieren.
Zweitens: Übergänge absichern statt Warteschleifen produzieren. Ab 2026/2027 soll AVdual an beruflichen Schulen starten, zunächst modellhaft, dann schrittweise ausgeweitet. AVdual soll Ausbildungschancen und Anschlussvermittlung verbessern. Der Übergang darf keine Warteschleife sein und kein junger Mensch soll verloren gehen.
Drittens: Rahmenbedingungen verbessern. Dazu gehören Zuschüsse für Fahrtkosten und auswärtige Unterkunft, weil lange Wege im Flächenland MV ein echtes Ausbildungshindernis sind. Diese Unterstützung ist ausdrücklich für Berufsschülerinnen und Berufsschüler.
Viertens: Ausbildungsplätze sichtbarer machen. Für das Handwerk gibt es das Lehrstellenradar und die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern freie Plätze sollen einfacher gefunden werden, inklusive Push-Service und App.
Fünftens: Kostenfreiheit der Bildung. Die Ausbildung muss für die Auszubildenden komplett gebührenfrei sein. Das schließt die Abschaffung von Kosten für Lehrmittel, Prüfungsgebühren und die Fahrtkosten ein. Auch die Meisterausbildung soll – analog zum Studium – schrittweise kostenfrei gestellt werden, um den beruflichen Aufstieg ohne die Notwendigkeit sich zu verschulden, zu ermöglichen.
Sechstens: Fortsetzung der Mobilitätsoffensive und Sicherung des Azubi-Tickets. Damit Auszubildende vom Wohnort zur Ausbildungsstätte und zur Berufsschule kommen, braucht es einen gut ausgebauten öffentlichen ÖPNV. Die Mobilitätsoffensive hat hier zu einer echten Angebotsverbesserung bei Bus und Bahn geführt. Sie gilt es fortzusetzen. Um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auch kostentechnisch attraktiv zu halten wollen wir zudem auch in der kommenden Wahlperiode das landesweite Azubi-Ticket zum ermäßigten Preis finanzieren.
Siebtens: Stärkung der Verbundausbildung. Gerade für spezialisierte Kleinbetriebe im Handwerk wollen wir die Verbundausbildung fördern, damit sich mehrere Betriebe die Ausbildungsinhalte teilen können, die ein einzelner Betrieb allein nicht abdecken kann.
 


Anne Karsten





CDU M-V

Spitzenkandidat Daniel Peters



In der nächsten Legislaturperiode werden wir drei Dinge besonders in den Blick nehmen, um Handwerksbetriebe spürbar zu entlasten und wirtschaftlich zu stabilisieren. Ein zentraler Punkt sind die Kosten, vor allem bei der Energie. Viele Betriebe kämpfen hier mit erheblichen Belastungen. Deshalb setzen wir auf eine direkte Entlastung, unter anderem mit einem pauschalen Ausgleich von 30 Euro pro Einwohner und Jahr bei den Stromkosten und ergänzenden Maßnahmen für das produzierende Gewerbe. Das hilft kurzfristig und verschafft den Betrieben wieder etwas Luft. Außerdem unterstützen wir die Bundesregierung bei ihrem Ziel, die Systemkosten der Erneuerbaren Energien zu reduzieren.
Gleichzeitig müssen wir beim Thema Fachkräfte deutlich besser werden. Es fehlt an Nachwuchs, und das spüren viele Betriebe ganz konkret. Wir wollen die Ausbildung deshalb attraktiver machen – mit einer Azubi-Prämie von 3.000 Euro, einer kostenfreien Meisterausbildung und besseren Rahmenbedingungen für diejenigen, die einen Betrieb übernehmen wollen. So entsteht wieder mehr Interesse am Handwerk und gleichzeitig mehr Perspektive für die nächste Generation.
Und schließlich geht es um die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss investieren können – in neue Technik, Digitalisierung und effizientere Abläufe. Genau dabei wollen wir unterstützen, mit gezielten Förderprogrammen, die sich wirklich an den Bedürfnissen kleiner und mittlerer Betriebe orientieren und mit mindestens 20 Millionen Euro pro Jahr ausgestattet sind. So stärken wir das Handwerk nicht nur kurzfristig, sondern auch auf lange Sicht.
Für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung im Handwerk werden wir vor allem drei Hebel in den Mittelpunkt stellen.
Erstens werden wir die Betriebe unmittelbar bei den Energiekosten entlasten. Dazu führen wir einen pauschalen Ausgleich von 30 Euro pro Einwohner und Jahr ein, der die hohen Strompreise abfedern soll, und prüfen ergänzende Förderinstrumente insbesondere für das produzierende Gewerbe. Ziel ist, die laufenden Kosten spürbar zu senken und den Betrieben wieder mehr Luft für Investitionen zu geben.
Zweitens werden wir Versorgungssicherheit und Preisstabilität langfristig stärken. Dafür gestalten wir den Ausbau erneuerbarer Energien technologieoffen, verantwortungsvoll und mit flächenschonenden Lösungen, kombiniert mit einer besseren Nutzung regionaler Erzeugung und moderner Infrastruktur. Dabei stehen wir dafür ein, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien systemdienlich erfolgt und die Systemkosten der EE sinken. Gleichzeitig werden wir uns dafür einsetzen, dass Energiepolitik verlässlich und planbar bleibt – denn schwankende Rahmenbedingungen sind für viele Betriebe inzwischen ein größeres Problem als einzelne Preisspitzen.
Drittens werden wir die Betriebe gezielt dabei unterstützen, ihren eigenen Energieverbrauch zu senken. Über Förderprogramme – etwa im Umfang von mindestens 20 Millionen Euro jährlich für Digitalisierung und Innovation – wollen wir Investitionen in energieeffiziente Technologien, moderne Maschinen und betriebliche Optimierung erleichtern. Weniger Energieverbrauch bedeutet am Ende auch geringere Kosten und mehr Wettbewerbsfähigkeit für das Handwerk.
Wir werden beim Bürokratieabbau sehr konkret ansetzen und Dinge ändern, die Betriebe im Alltag unmittelbar spüren. Ein Beispiel sind Vergabeverfahren: Künftig sollen kommunale Aufträge bis 50.000 Euro wieder unkompliziert und ohne aufwendige Ausschreibungen an lokale Handwerksbetriebe vergeben werden können. Das spart Zeit, reduziert Kosten und sorgt dafür, dass Aufträge schneller in den Betrieben ankommen.
Ein weiterer Punkt sind die oft langwierigen Antrags- und Genehmigungsverfahren. Hier werden wir zwei Dinge gleichzeitig angehen: Alle Verfahren sollen bis spätestens 2029 vollständig digitalisiert und über zentrale Anlaufstellen gebündelt werden, und gleichzeitig setzen wir auf klare Fristen – etwa eine Genehmigungsfiktion nach drei Monaten. Wer investiert, muss sich darauf verlassen können, dass Entscheidungen nicht auf unbestimmte Zeit liegen bleiben.
Langfristig wird Bürokratieabbau für uns zur festen Leitlinie. Neue Gesetze werden wir grundsätzlich darauf prüfen, welche Auswirkungen sie auf kleine und mittlere Betriebe haben und ob sie digital anwendbar sind. Mit einer verbindlichen „Mittelstandsampel“ machen wir diese Folgen transparent. Gleichzeitig nehmen wir bestehende Vorschriften systematisch unter die Lupe und streichen, was sich in der Praxis nicht bewährt. So entsteht Schritt für Schritt ein verlässlicher Rahmen, der Betriebe entlastet, statt sie zusätzlich zu belasten.
Die duale Ausbildung werden wir gezielt stärken – sowohl mit Blick auf mehr Ausbildungsverträge als auch auf bessere Bedingungen. Entscheidend ist zunächst, dass sich eine Ausbildung wieder stärker lohnt. Deshalb setzen wir auf klare finanzielle Anreize, etwa eine Azubi-Prämie von 3.000 Euro für erfolgreiche Abschlüsse in Engpassberufen wie dem Handwerk. Gleichzeitig werden wir die Meisterausbildung kostenfrei machen und den Weg in die Selbstständigkeit durch Gründungsprämien und Beratung erleichtern. So schaffen wir echte Perspektiven über die Ausbildung hinaus.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Qualität der Ausbildung. Wir werden die Berufsorientierung deutlich früher und praxisnäher ansetzen, mit verpflichtenden Praktika, enger Zusammenarbeit mit Betrieben und klaren Übergängen von der Schule in die Ausbildung. Ergänzend sorgen wir für bessere Rahmenbedingungen: moderne Ausbildungsinhalte, gut ausgestattete Berufsschulen und konkrete Entlastungen für Auszubildende, etwa durch Mobilitätsangebote wie Zuschüsse zum Führerschein oder ein Azubi-Ticket.
Damit am Ende auch mehr Ausbildungsverträge zustande kommen, werden wir Betriebe und junge Menschen gezielt zusammenbringen. Mit Initiativen wie einer „Talentfabrik“ für leistungsstarke Auszubildende, verstärkter Ansprache an Schulen und besserer Begleitung beim Einstieg in die Ausbildung schließen wir die Lücke zwischen offenen Stellen und unversorgten Bewerbern.
Unser Ziel ist klar: mehr junge Menschen in Ausbildung bringen und gleichzeitig dafür sorgen, dass diese Ausbildung attraktiv, praxisnah und zukunftsfest ist.
 


CDU M-V





AfD M-V

Spitzenkandidat Enrico Schult



Kleine Handwerksbetriebe leiden unter einer Bürokratielast, die im Verhältnis zu ihrer Größe schlicht nicht mehr zumutbar ist. Was ein Großkonzern mit einer eigenen Rechts- und Compliance-Abteilung bewältigt, kostet den Handwerksmeister mit fünf Mitarbeitern Abend für Abend wertvolle Stunden, die er besser in seinen Betrieb investieren würde. Diesem strukturellen Missverhältnis wollen wir entschieden entgegenwirken.
Unsere drei prioritären Maßnahmen sind:
Erstens: Konsequenter Bürokratieabbau durch Digitalisierung der Verwaltung.
Wir setzen uns für einheitliche digitale Anlaufstellen (sogenannte One-Stop-Shops) ein, über die Genehmigungen, Anmeldungen und Förderanträge gebündelt und beschleunigt abgewickelt werden können. Insbesondere Baugenehmigungsverfahren müssen deutlich schneller werden; die derzeitigen Bearbeitungszeiten sind für Bau- und Ausbaubetriebe wirtschaftlich nicht länger hinnehmbar. In engem Zusammenhang damit steht die Forderung nach einer Ausweitung der kleinen Bauvorlageberechtigung. Derzeit sind qualifizierte Handwerksmeister in vielen Fällen gezwungen, für bautechnisch unkomplizierte Vorhaben externe Architekten oder Ingenieure hinzuzuziehen, obwohl sie über die fachliche Kompetenz verfügen, diese Aufgaben selbst zu übernehmen. Das verteuert Projekte, verlängert Planungsprozesse und schafft unnötige Abhängigkeiten. Wir setzen uns dafür ein, die kleine Bauvorlageberechtigung in der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern deutlich auszuweiten, sodass Handwerksmeister einschlägiger Gewerke Bauvorlagen für einfache und mittlere Bauvorhaben eigenständig einreichen dürfen. Dies stärkt die Eigenverantwortung des Handwerks, beschleunigt Verfahren und senkt Kosten für Auftraggeber und Betriebe gleichermaßen. Redundante Meldepflichten und Dokumentationsanforderungen, die keinen erkennbaren Mehrwert erzeugen, wollen wir konsequent abschaffen. Handwerksbetriebe sind zudem auf funktionierende Infrastruktur angewiesen. Da ohne leistungsfähige Verkehrswege Lieferketten fragil und die Mobilität der Beschäftigten eingeschränkt bleiben,  setzen wir uns für eine beschleunigte Fertigstellung der A20, den Ausbau der Bahnstrecken Rostock–Berlin und Schwerin–Berlin sowie die Modernisierung des Rostocker Hafens ein.
Zweitens: Gezielte Förder- und Finanzierungsprogramme.
Wir wollen Investitionszuschüsse für Modernisierung, Digitalisierung und Umrüstung von Handwerksbetrieben ausbauen und vergünstigte Landeskreditprogramme, z.B. über die MV-Förderbank, speziell auf die Bedürfnisse des Handwerks zuschneiden. Ergänzend wollen wir Pilotprojekte zur Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung in Handwerksbetrieben aktiv fördern und durch Investitionszuschüsse mit einer Eigenbeteiligungsquote von mindestens 50 Prozent bezuschussen, da Technologieeinsatz zukünftig ein wichtiges Instrument sein wird, um dem Fachkräftemangel strukturell entgegenzuwirken. Darüber hinaus wollen wir prüfen, in welchem Umfang Handwerksbetriebe durch pandemiebedingte Betriebsschließungen und Auflagen wirtschaftliche Schäden erlitten haben, die durch die bisherigen Hilfsprogramme nicht ausreichend kompensiert wurden, und auf dieser Grundlage ein zielgenaues ergänzendes Förderprogramm im Rahmen der landespolitischen Spielräume entwickeln. Dies soll insbesondere für Betriebe gelten, die als indirekt Betroffene keinen Zugang zu den damaligen Branchenhilfen hatten. Da Tausende Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern keinen geeigneten Nachfolger finden, ist uns die Betriebsnachfolge ein besonderes Anliegen. Wir wollen steuerliche Erleichterungen und strukturierte Beratungsangebote schaffen sowie bereits vorhandene Vermittlungsangebote ausbauen, um die Übergabe zu erleichtern und damit gewachsene Betriebe zu erhalten. Ergänzend sprechen wir uns für einen konjunkturellen Ausfallfonds aus, der in Krisenzeiten schnelle Liquiditätshilfe ermöglicht. Die Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig ein solches Instrument sein kann.
Neben direkten Fördermaßnahmen muss auch die Lohnkostenstruktur in den Blick genommen werden. Die Lohnnebenkosten in Deutschland zählen zu den höchsten in Europa und belasten gerade kleine Handwerksbetriebe überproportional, da Personalkosten dort den größten Ausgabenposten darstellen. Wir setzen uns auf Bundesebene für eine spürbare und dauerhafte Senkung der Sozialversicherungsbeiträge ein. Ergänzend wollen wir auf Landesebene prüfen, welche eigenen Instrumente genutzt werden können, um Betriebe mit hoher Beschäftigungsintensität gezielt zu entlasten, z.B. bei der Vergabe öffentlicher Aufträge oder bei Landesprogrammen. Denn wer Fachkräfte hält und ausbildet, darf durch staatlich verursachte Lohnzusatzkosten nicht strukturell benachteiligt werden.
Drittens: Fachkräftesicherung und Ausbildungsförderung.
Der Fachkräftemangel ist die größte strukturelle Bedrohung für das Handwerk. In Mecklenburg-Vorpommern absolvieren derzeit rund 19.000 Menschen eine Berufsausbildung, davon jedoch nur jeder Vierte im Handwerk. Auf zwei Studenten kommt nur noch ein Lehrling. Diese Schieflage muss korrigiert werden.
Wir wollen daher eine Förderrichtlinie für Auszubildende in Berufen mit Fachkräfteengpass einführen. Konkret sollen Auszubildende in anerkannten Ausbildungsberufen, die nachweislich von einem Fachkräftemangel betroffen sind, einen monatlichen, nicht rückzahlbaren Zuschuss erhalten. Die Förderhöhe soll sich an der Intensität des jeweiligen Mangels orientieren und zwischen 100 und 200 Euro pro Monat betragen. Antragsberechtigt sollen Personen bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres sein, deren Ausbildungsstätte in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Die Landesregierung soll jährlich in Abstimmung mit den Tarifparteien und orientiert an der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit festlegen, welche Berufe förderungsfähig sind. Die Förderung soll an die Bereitschaft geknüpft sein, nach Ausbildungsabschluss mindestens fünf Jahre in einem einschlägigen Mangelberuf in Mecklenburg-Vorpommern tätig zu bleiben. Diese Bindungsklausel stärkt den Fachkräfteverbleib im Land nachhaltig. Die Berufsschulen im Land müssen besser ausgestattet werden; lange Fahrzeiten durch ausgedünnte Standorte sind für Auszubildende auf dem Land eine ernsthafte Belastung und ein echter Attraktivitätsverlust. Zugleich wollen wir die Meisterförderung stärken und Imagekampagnen für Handwerksberufe intensivieren. Der gesellschaftliche Trend zur Akademisierung geht an der Realität vorbei: Ein gut ausgebildeter Handwerksmeister schafft mehr Werte und hat oft bessere Einkommensperspektiven als mancher Hochschulabsolvent. Damit der Weg zum Meisterbrief für niemanden an finanziellen Hürden scheitert, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Kosten der Meisterausbildung zu mindestens 90 Prozent durch staatliche Förderung übernommen werden.
Die Energiepreise in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit und sind längst zu einem ernsthaften Standortproblem geworden, insbesondere für energieintensive Handwerksbetriebe. Wettbewerbsfähige Energiepreise sind keine Komfortfrage, sondern eine wirtschaftspolitische Grundvoraussetzung: Solange deutsche Betriebe strukturell höhere Energiekosten tragen als ihre europäischen und internationalen Wettbewerber, verlieren sie an Substanz – unabhängig von ihrer Produktivität und Innovationskraft.
Wir verfolgen dabei zwei komplementäre Ansätze:
Kurzfristige Entlastung durch Senkung von Steuern und Abgaben: Deutschland hat einen der weltweit höchsten Steuer- und Abgabenanteile am Strompreis. Wir setzen uns auf Bundesebene dafür ein, die Energiesteuer, die CO₂-Abgabe und die Stromsteuer deutlich zu senken und den KWK-Aufschlag und die Offshore-Netzumlage abzuschaffen. Auf Landesebene werden wir darüber hinaus alle vorhandenen Spielräume nutzen, um energieintensive Betriebe gezielt zu entlasten und Planungssicherheit zu schaffen. Diese Maßnahmen würden Betriebe und Haushalte schnell und direkt entlasten, ohne neue Subventionsprogramme zu erfordern.
Strukturelle Korrektur der Energiepolitik: Die bisherige Energiepolitik hat einen grundlegenden Konstruktionsfehler: Während die Grenzkosten bei viel Wind und Sonne kurzzeitig sinken, steigen die Fixkosten für Infrastruktur, Netzstabilität, Förderung und das Vorhalten konventioneller Reservekraftwerke dauerhaft an. Die Systemkosten der sogenannten Energiewende belaufen sich auf über 36 Milliarden Euro jährlich. Das sind Kosten, die letztlich die Verbraucher und Betriebe tragen und die den Standort Deutschland systematisch schwächen.
Ein wesentlicher Teil dieser Fehlentwicklung ist politisch gemacht: Die sogenannte Energiewende hat Energie künstlich verteuert, statt sie günstiger zu machen. Sie muss daher kritisch überprüft und in ihrer bisherigen Form beendet werden. Besonders gravierend ist dabei die mutwillige Zerstörung vorhandenen Kapitalstocks: Die ideologisch motivierte Abschaltung und der physische Abbau funktionsfähiger Kraftwerksinfrastruktur vernichtet unwiederbringlich wirtschaftlichen Wert, schwächt die Versorgungssicherheit und treibt die Systemkosten weiter in die Höhe. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Bestehende Kraftwerkskapazitäten sind zu erhalten, solange kein gleichwertiger und wirtschaftlich tragfähiger Ersatz bereitsteht.
Wir plädieren deshalb für eine grundlegende Neuausrichtung: Die Kernkraft muss als günstige und zuverlässige Grundlastquelle wieder in den Blick genommen werden. Länder wie Frankreich oder Schweden zeigen, dass stabile Grundlastversorgung und günstige Strompreise kein Widerspruch sind. Wir setzen uns auf Bundesebene für eine grundlegende Reform der EEG-Förderlogik ein, mit dem Ziel, den weiteren Netzausbau zu begrenzen. Auf Landesebene wollen wir zugleich stärker auf dezentrale Versorgungslösungen und eine wirtschaftsnahe Energieinfrastruktur hinwirken. Marktpreissignale müssen wieder stärker wirken dürfen, statt durch staatliche Eingriffe verzerrt zu werden. Grundlage unserer Energiepolitik ist dabei konsequente Technologieoffenheit. Nicht politische Präferenzen, sondern Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit müssen darüber entscheiden, welche Erzeugungstechnologien zum Einsatz kommen. Nur so lassen sich die Strompreise strukturell und nachhaltig senken, statt mittels kurzfristiger Subventionen, die das Grundproblem nicht lösen.
Bürokratieabbau darf kein Lippenbekenntnis bleiben. Wir benennen daher konkrete Maßnahmen, die wir vorrangig auf Bundes- und europäischer Ebene angehen wollen:
Erstens: Reduzierung von Dokumentations- und Nachweispflichten im Arbeitsrecht. Die Pflicht zur minutiösen Arbeitszeiterfassung, redundante Unterweisungsnachweise und aufwändige Datenschutzdokumentation kosten kleinen Betrieben unverhältnismäßig viel Zeit. Wir wollen diese Pflichten auf ein sachlich notwendiges Maß zurückführen und für Kleinstbetriebe deutlich vereinfachen. In diesem Zusammenhang setzen wir uns auch dafür ein, Kleinunternehmen von der Pflicht zur Bestellung eines Datenschutzbeauftragten zu befreien und die bürokratischen Anforderungen der DSGVO für Betriebe unterhalb klar definierter Schwellenwerte deutlich zu reduzieren. Die Datenschutz-Grundverordnung ist in ihrer derzeitigen Form für kleine Handwerksbetriebe schlicht nicht verhältnismäßig.
Zweitens: Vereinfachung von Steuer- und Kassenführungspflichten. Die Kassenbon-Pflicht, überkomplexe Aufzeichnungsanforderungen und der Aufwand für die GoBD-konforme Buchführung sind für viele Handwerksbetriebe eine tägliche Belastung ohne erkennbaren Mehrwert für den Fiskus. Hier wollen wir pragmatische Erleichterungen schaffen.
Drittens: Reduzierung der Vergabe- und Ausschreibungsbürokratie bei öffentlichen Aufträgen. Gerade öffentliche Aufträge sind für Handwerksbetriebe wirtschaftlich wichtig – aber der bürokratische Aufwand für Angebotsabgabe, Zertifizierungsanforderungen und Nachweispflichten schreckt viele kleine Betriebe ab. Wir wollen Schwellenwerte anheben, Verfahren vereinfachen und damit mehr Handwerksbetrieben den Zugang zu öffentlichen Aufträgen ermöglichen. Darüber hinaus setzen wir uns für eine grundlegende Reform des Tariftreue- und Vergabegesetzes Mecklenburg-Vorpommern ein. Die Tariftreueregelungen, die Betriebe zur Zahlung tariflicher Mindestlöhne als Bedingung für die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen verpflichten, wollen wir abschaffen – sie verteuern öffentliche Aufträge unnötig und benachteiligen kleine Handwerksbetriebe ohne Tarifbindung strukturell gegenüber größeren Wettbewerbern. Die vergaberechtlichen Regelungen des Gesetzes hingegen sollen erhalten und wo möglich vereinfacht werden, um einen geordneten und transparenten Wettbewerb um öffentliche Aufträge weiterhin zu gewährleisten.
Als langfristige Strategie verfolgen wir das Prinzip der systematischen Regulierungskostenbilanz: Jede neue bürokratische Pflicht muss durch den Abbau einer bestehenden kompensiert werden. Zudem wollen wir eine regelmäßige parlamentarische Überprüfung der Entlastungswirkung beschlossener Maßnahmen einführen, damit Bürokratieabbau messbar und rechenschaftspflichtig wird.
Als langfristige Strategie verfolgen wir das Prinzip der systematischen Regulierungskostenbilanz: Jede neue bürokratische Pflicht muss durch den Abbau einer bestehenden kompensiert werden. Zudem wollen wir eine regelmäßige parlamentarische Überprüfung der Entlastungswirkung beschlossener Maßnahmen einführen, damit Bürokratieabbau messbar und rechenschaftspflichtig wird.
Quantitativ wollen wir durch den bereits zu Frage 1 beschriebenen monatlichen Zuschuss von bis zu 200 Euro für Auszubildende in Mangelberufen einen wirksamen finanziellen Anreiz setzen, der junge Menschen, und auch Umschüler bis 45 Jahre, für eine duale Ausbildung gewinnt. Die Förderung ist bewusst so konzipiert, dass sie einen echten zusätzlichen Anreiz schafft: Wie die Landesregierung selbst in ihren Bildungsfinanzberichten dokumentiert, gibt das Land je Student an öffentlichen Hochschulen rund 7.900 Euro jährlich aus, je Berufsschüler im dualen System jedoch lediglich rund 3.100 Euro. Diese strukturelle Benachteiligung der Ausbildung gegenüber dem Studium muss korrigiert werden. Unsere Modellrechnungen zeigen, dass bereits bei 5.000 Förderfällen ein jährlicher Finanzbedarf von rund 12 Millionen Euro entstünde, was ein vertretbarer Betrag angesichts der volkswirtschaftlichen Folgekosten des Fachkräftemangels wäre.
Um die Breitenwirkung der Förderung sicherzustellen, soll die Landesregierung geeignete Maßnahmen ergreifen, den Kreis der potenziell Anspruchsberechtigten aktiv über die Fördermöglichkeit zu informieren. Betriebe, die über die Regelausbildung hinaus zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, sollen durch einen gesonderten Ausbildungsbonus honoriert werden.
Qualitativ steht die Stärkung der Berufsschulen im Mittelpunkt. Veraltete Ausstattung und lange Anfahrtswege sind keine Kleinigkeit – sie entscheiden darüber, ob junge Menschen eine Ausbildung als attraktiv wahrnehmen oder nicht. Wir wollen dezentrale Berufsschulstandorte erhalten, die Lehrpläne modernisieren und die Lehrerausbildung für berufsbildende Schulen verbessern. Die gesellschaftliche Anerkennung des Handwerks wollen wir durch gezielte Imagekampagnen steigern und der verbreiteten Fehlvorstellung entgegenwirken, ein Studium sei der einzig erstrebenswerte Bildungsweg.
 


AfD M-V





BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN M-V

Spitzenkandidatin Claudia Müller



Wir setzen in der nächsten Legislatur drei klare Prioritäten, um Handwerksbetriebe wirtschaftlich zu sichern und spürbar zu entlasten:
1. Regionale Unternehmen bei öffentlichen Investitionen stärker einbinden. Wir wollen, dass regionale Betriebe bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten stärker berücksichtigt werden – insbesondere dann, wenn Investitionen aus dem Sondervermögen des Bundes ins Land fließen. Zugleich setzen wir auf die konsequente Einhaltung tariflicher Standards, guter Arbeitsbedingungen und von Nachhaltigkeitskriterien bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, um fairen Wettbewerb zu stärken. So stärken wir das heimische Handwerk durch mehr verlässliche Aufträge und regionale Wertschöpfung.
2. Förderprogramme vereinfachen und besser zugänglich machen. Gerade für kleine und mittlere Betriebe wollen wir Anträge, Zugänge und Beratung so verbessern, dass Unterstützung schneller und unbürokratischer ankommt und betriebliche Entlastung tatsächlich wirksam wird.
3. Betriebliche Modernisierung gezielt unterstützen. Wir wollen kleine und mittlere Handwerksbetriebe bei Digitalisierung, Energieeffizienz, klimafreundlichen Produktionsprozessen und nachhaltigem Bauen gezielt unterstützen – mit passgenauer Beratung und besser zugänglichen Förderangeboten. So entlasten wir Betriebe bei notwendigen Investitionen und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit.
So sorgen wir für mehr Planungssicherheit, bessere wirtschaftliche Perspektiven und eine stärkere regionale Verankerung des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern.
Wir setzen auf eine sichere, bezahlbare und planbare Energieversorgung durch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, eine konsequente Wärmewende und bessere Unterstützung für Unternehmen bei Effizienz und Umstellung. Für Handwerksbetriebe ist entscheidend, dass Energie langfristig verlässlich verfügbar und bezahlbar bleibt. Deshalb wollen wir Energie- und Sanierungsberatung ausbauen, Kommunen bei der Wärmeplanung unterstützen, Förderzugänge transparenter machen und Potenziale wie industrielle Abwärme und Geothermie stärker erschließen. So machen wir Betriebe unabhängiger von fossilen Preissprüngen und schaffen die Grundlage für dauerhaft günstigere Energie.
Wir wollen bürokratische Belastungen für kleine und mittlere Betriebe spürbar abbauen und gliedern das entsprechend der Frage:
1. Praxischeck für Landesgesetze und Verordnungen. Neue Vorgaben müssen alltagstauglich und mittelstandsfreundlich sein.
2. Förderprogramme deutlich vereinfachen. Antragswege sollen kürzer, Anforderungen verständlicher und Verfahren schneller werden.
3. Verwaltungsverfahren konsequent digital und nutzerfreundlich organisieren. Dazu gehören verständliche Online-Anträge, digitale Signaturen, digitale Genehmigungsverfahren und das Once-Only-Prinzip: Daten, die der Verwaltung bereits rechtmäßig vorliegen, sollen nicht immer wieder neu eingereicht werden müssen.
Langfristige Strategie: Unser Ziel ist eine Verwaltung, die Betriebe nicht aufhält, sondern ihnen verlässlich den Rücken freihält.
Wir wollen die duale Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern stärken, indem wir die Rahmenbedingungen für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe gezielt verbessern. Dazu gehören gut ausgestattete Berufsschulen, eine sinnvolle länderübergreifende Beschulung dort, wo sie die Ausbildungsqualität verbessert, sowie bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende. Zugleich wollen wir die Berufsorientierung durch engere Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben stärken und bessere Übergänge von Schule, Ausbildung und Studium in den Beruf schaffen. Unser Ziel ist, mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen und zugleich die Ausbildungsqualität im Land weiter zu erhöhen.
 

Stefanie Auer - Humanfotografie