Landtagswahl 2026
Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt.
Forderungen des Handwerks
Es sind die Handwerksbetriebe im Land, die Arbeits- und Ausbildungsplätze vor allem auch im ländlichen Raum sichern. Deshalb müssen gerade die kleinen und mittleren Betriebe endlich von zu hohen Lohnneben- und Energiekosten bis zur Bürokratie entlastet werden.
Axel Hochschild
Präsident Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern
Das Handwerk als das wirtschaftliche Rückgrat des Landes braucht verlässliche und gute Rahmenbedingungen. Meisterqualifikation, Selbstständigkeit und Unternehmertum müssen gestützt und gewürdigt werden, damit es auch in Zukunft ein starkes Handwerk im Land gibt.
Uwe Lange
Präsident Handwerkskammer Schwerin
Die Forderungen kurz zusammengefasst
Antworten der Politik auf die Frage: Was wollen Sie für das Handwerk tun?
Die Handwerkskammern in Mecklenburg-Vorpommern haben die fünf aktuell im Landtag vertretenen Fraktionen zu ihrer Haltung und ihren politischen Plänen zum Handwerk befragt. Unter der Überschrift „Was wollen Sie für das Handwerk tun?“ standen vier große Themen bei dieser Umfrage im Vordergrund.
SPD M-V
Spitzenkandidatin Manuela Schwesig
Für die Zukunft stehen die Zeichen klar auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien – in MV vor allem Wind, Sonne und Biomasse – und der gezielten Anpassung von Netzen und Speichermöglichkeiten, um die Abhängigkeit Mecklenburg-Vorpommerns von teuren fossilen Energieimporten deutlich zu reduzieren und die Preisvorteile der Erneuerbaren vollständig zu nutzen. Studien zeigen, dass unser Strompreis heute ohne erneuerbare deutlich höher läge, wenn wir nur Strom aus Kohle, Gas und Atom verwenden würden.
Mit Konzepten wie dem Energy-Sharing können wir dafür sorgen, dass die Kostenvorteile erneuerbaren Stroms auch direkt vor Ort genutzt werden können.
Gerade bei der Transformation zur Elektromobilität müssen wir die Hürden für Handwerksbetriebe senken. Es geht darum, die Ladeinfrastruktur im ländlichen Raum massiv auszubauen und Anreize zu schaffen, die den Einsatz emissionsfreier Flotten für KMU wirtschaftlich attraktiv machen, statt sie durch bürokratische oder finanzielle Hürden zu bremsen.
Beim Strompreis benötigen wir seitens des Bundes endlich Entlastungen, die nicht nur bei den Großverbrauchern der Industrie, sondern auch bei KMU und insbesondere Handwerksbetrieben ankommen. Wir werden uns insbesondere gegenüber dem Bundeswirtschaftsministerium dafür einsetzen, hier für MV geeignete Lösungen vorzulegen.
Außerdem haben wir die Wertgrenzen für Direktvergaben des Landes und der Kommunen deutlich angehoben, um z.B. auch kleinere Bauleistungen schneller und bürokratieärmer an Handwerksbetriebe vor Ort vergeben zu können.
Damit die Verwaltung auch für Unternehmen und ihre Anliegen handlungsfähig bleibt braucht es künftig vollständig digitalisierte Prozesse - vom Antrag bis zum Bescheid. Einmal erhobene Daten der Unternehmen müssen behördenübergreifend genutzt werden, um überflüssige Berichtspflichten zu vermeiden.
Wer mittel- und langfristig mehr Azubis an unseren beruflichen Schulen verspricht, macht sich aufgrund des immer stärker durchschlagenden demografischen Wandels unglaubwürdig und streut den Menschen Sand in die Augen. Ziel muss es deshalb sein, trotz sinkenden Azubizahlen alle Standorte der beruflichen Schulen auch in Zukunft zu erhalten. Dafür bedarf es nicht nur einer modernen Ausstattung unserer Schulen und ausreichender Lehrer an unseren beruflichen Schulen, sondern auch digitale Lösungen, die unseren Kindern eine Vielzahl an Ausbildungsgängen ermöglicht, ohne dafür weite Pendelwege in benachbarte Bundesländer auf sich nehmen zu müssen.
DIE LINKE. M-V
Spitzenkandidatin Simone Oldenburg
Wir wollen schrittweise finanzielle Hürden für den beruflichen Aufstieg abschaffen und die Meisterausbildung dem kostenfreien Studium gleichstellen. Damit wollen wir direkt in die Qualifikation investieren und eine Existenzgründung oder Nachfolge ohne die Last hoher Fortbildungsschulden ermöglichen.
Eine der drängendsten Fragen für viele Betriebe ist die Fortführung des Betriebes durch eine/einen geeignete/n Nachfolger/in. Nicht selten droht die Schließung eines erfolgreichen Unternehmens. Etablierte Instrumente, wie die Beratungsangebote der Nachfolgezentrale wollen wir fortsetzen. Zusätzlich wollen wir neue Wege gehen. Damit Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern auch dann eine Zukunft haben, wenn die klassische Nachfolge fehlt, setzen wir auf die Kraft der Gemeinschaft. Künftig soll Belegschaften ein privilegiertes Vorkaufsrecht eingeräumt werden, wenn ein Betrieb vor der Schließung steht. Um diesen Übergang wirtschaftlich abzusichern, wollen wir einen Landes-Beteiligungsfonds für Genossenschaften etablieren. Das Land stellt hierbei die notwendigen Darlehen und das Startkapital bereit, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren eigenen Betrieb übernehmen und als Genossenschaft erfolgreich weiterführen können.
Wir wollen unser heimisches Handwerk gezielt stärken und die regionale Wertschöpfung zum Maßstab unserer Politik machen. Seit Jahrzehnten gelingt es bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen nicht, andere Kriterien, als den Preis in den Mittelpunkt zu stellen. Uns geht es hingegen um Nachhaltigkeit im Sinne von regionalen Kreisläufen. Wir wollen das Vergabegesetz des Landes in dieser Hinsicht weiterentwickeln. Das kann gelingen, wenn öffentliche Aufträge konsequent in kleineren Losen ausgeschrieben werden und an Kriterien wie Tariftreue sowie ökologische Nachhaltigkeit gebunden sind. So wollen wir sicherstellen, dass Steuergelder in Mecklenburg-Vorpommern bleiben und bevorzugt jene Betriebe zum Zuge kommen, die hier vor Ort ausbilden und fair bezahlen.
Wir forcieren den schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien und investieren massiv in Speichertechnologien. Strom und Wärme müssen dezentral dort erzeugt werden, wo sie gebraucht werden. Wir wollen, dass Handwerksbetriebe zu eigenen Energiewirten werden können: Selbst erzeugte Energie muss ohne bürokratische Hürden direkt vor Ort im Unternehmen genutzt und gespeichert werden dürfen. Das senkt Kosten und macht Sie unabhängig von den Schwankungen der Weltmärkte.
Wir brauchen eine radikale Reform des Strommarktes. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass das Merit-Order-Prinzip den Strompreis künstlich hochtreibt, indem das teuerste Gaskraftwerk den Preis für günstigen Ökostrom diktiert. Wir fordern die Abschaffung dieses Mechanismus und die Einführung eines wirksamen Energiepreisdeckels, der explizit auch für das Handwerk gilt.
Zur sofortigen Entlastung fordern wir, die Stromsteuer für alle Betriebe auf das europäische Mindestmaß zu senken. Es darf nicht sein, dass der Staat an den hohen Energiepreisen mitverdient, während solide Werkstätten um ihre Existenz bangen. Wir wollen Energiepreise, die „Made in MV“ wieder wettbewerbsfähig machen
Wir wollen eine befristete Aussetzung aller nicht zwingend erforderlichen nationalen Berichtspflichten bis zum 31. Dezember 2027. Dies verschafft dem Handwerk eine echte „Atempause“, in der wir systematisch prüfen, welche Pflichten dauerhaft gestrichen werden können, weil ihr Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand steht.
Wir fordern, dass Kleinbetriebe endlich von den Berichtspflichten nach dem Gesetz über die Statistik im Produzierenden Gewerbe befreit werden. Das bedeutet für viele Handwerksbetriebe: Weniger Zeit als unbezahlte Datenlieferanten für das statistische Landesamt und mehr Zeit für die eigentliche Arbeit am Kunden.
Die Dokumentationspflichten der Gewerbeabfallverordnung sind für viele Gewerke – besonders im Bau- und Ausbaubereich – ein riesiger Zeitfresser. Diese bürokratischen Hürden sollen massiv reduziert werden, damit nicht jede Schuttschaufel dreimal dokumentiert werden muss.
CDU M-V
Spitzenkandidat Daniel Peters
AfD M-V
Spitzenkandidat Enrico Schult
Wir setzen uns für einheitliche digitale Anlaufstellen (sogenannte One-Stop-Shops) ein, über die Genehmigungen, Anmeldungen und Förderanträge gebündelt und beschleunigt abgewickelt werden können. Insbesondere Baugenehmigungsverfahren müssen deutlich schneller werden; die derzeitigen Bearbeitungszeiten sind für Bau- und Ausbaubetriebe wirtschaftlich nicht länger hinnehmbar. In engem Zusammenhang damit steht die Forderung nach einer Ausweitung der kleinen Bauvorlageberechtigung. Derzeit sind qualifizierte Handwerksmeister in vielen Fällen gezwungen, für bautechnisch unkomplizierte Vorhaben externe Architekten oder Ingenieure hinzuzuziehen, obwohl sie über die fachliche Kompetenz verfügen, diese Aufgaben selbst zu übernehmen. Das verteuert Projekte, verlängert Planungsprozesse und schafft unnötige Abhängigkeiten. Wir setzen uns dafür ein, die kleine Bauvorlageberechtigung in der Landesbauordnung Mecklenburg-Vorpommern deutlich auszuweiten, sodass Handwerksmeister einschlägiger Gewerke Bauvorlagen für einfache und mittlere Bauvorhaben eigenständig einreichen dürfen. Dies stärkt die Eigenverantwortung des Handwerks, beschleunigt Verfahren und senkt Kosten für Auftraggeber und Betriebe gleichermaßen. Redundante Meldepflichten und Dokumentationsanforderungen, die keinen erkennbaren Mehrwert erzeugen, wollen wir konsequent abschaffen. Handwerksbetriebe sind zudem auf funktionierende Infrastruktur angewiesen. Da ohne leistungsfähige Verkehrswege Lieferketten fragil und die Mobilität der Beschäftigten eingeschränkt bleiben, setzen wir uns für eine beschleunigte Fertigstellung der A20, den Ausbau der Bahnstrecken Rostock–Berlin und Schwerin–Berlin sowie die Modernisierung des Rostocker Hafens ein.
Wir wollen Investitionszuschüsse für Modernisierung, Digitalisierung und Umrüstung von Handwerksbetrieben ausbauen und vergünstigte Landeskreditprogramme, z.B. über die MV-Förderbank, speziell auf die Bedürfnisse des Handwerks zuschneiden. Ergänzend wollen wir Pilotprojekte zur Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung in Handwerksbetrieben aktiv fördern und durch Investitionszuschüsse mit einer Eigenbeteiligungsquote von mindestens 50 Prozent bezuschussen, da Technologieeinsatz zukünftig ein wichtiges Instrument sein wird, um dem Fachkräftemangel strukturell entgegenzuwirken. Darüber hinaus wollen wir prüfen, in welchem Umfang Handwerksbetriebe durch pandemiebedingte Betriebsschließungen und Auflagen wirtschaftliche Schäden erlitten haben, die durch die bisherigen Hilfsprogramme nicht ausreichend kompensiert wurden, und auf dieser Grundlage ein zielgenaues ergänzendes Förderprogramm im Rahmen der landespolitischen Spielräume entwickeln. Dies soll insbesondere für Betriebe gelten, die als indirekt Betroffene keinen Zugang zu den damaligen Branchenhilfen hatten. Da Tausende Handwerksbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern keinen geeigneten Nachfolger finden, ist uns die Betriebsnachfolge ein besonderes Anliegen. Wir wollen steuerliche Erleichterungen und strukturierte Beratungsangebote schaffen sowie bereits vorhandene Vermittlungsangebote ausbauen, um die Übergabe zu erleichtern und damit gewachsene Betriebe zu erhalten. Ergänzend sprechen wir uns für einen konjunkturellen Ausfallfonds aus, der in Krisenzeiten schnelle Liquiditätshilfe ermöglicht. Die Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig ein solches Instrument sein kann.
Neben direkten Fördermaßnahmen muss auch die Lohnkostenstruktur in den Blick genommen werden. Die Lohnnebenkosten in Deutschland zählen zu den höchsten in Europa und belasten gerade kleine Handwerksbetriebe überproportional, da Personalkosten dort den größten Ausgabenposten darstellen. Wir setzen uns auf Bundesebene für eine spürbare und dauerhafte Senkung der Sozialversicherungsbeiträge ein. Ergänzend wollen wir auf Landesebene prüfen, welche eigenen Instrumente genutzt werden können, um Betriebe mit hoher Beschäftigungsintensität gezielt zu entlasten, z.B. bei der Vergabe öffentlicher Aufträge oder bei Landesprogrammen. Denn wer Fachkräfte hält und ausbildet, darf durch staatlich verursachte Lohnzusatzkosten nicht strukturell benachteiligt werden.
Der Fachkräftemangel ist die größte strukturelle Bedrohung für das Handwerk. In Mecklenburg-Vorpommern absolvieren derzeit rund 19.000 Menschen eine Berufsausbildung, davon jedoch nur jeder Vierte im Handwerk. Auf zwei Studenten kommt nur noch ein Lehrling. Diese Schieflage muss korrigiert werden.
Wir wollen daher eine Förderrichtlinie für Auszubildende in Berufen mit Fachkräfteengpass einführen. Konkret sollen Auszubildende in anerkannten Ausbildungsberufen, die nachweislich von einem Fachkräftemangel betroffen sind, einen monatlichen, nicht rückzahlbaren Zuschuss erhalten. Die Förderhöhe soll sich an der Intensität des jeweiligen Mangels orientieren und zwischen 100 und 200 Euro pro Monat betragen. Antragsberechtigt sollen Personen bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres sein, deren Ausbildungsstätte in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Die Landesregierung soll jährlich in Abstimmung mit den Tarifparteien und orientiert an der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit festlegen, welche Berufe förderungsfähig sind. Die Förderung soll an die Bereitschaft geknüpft sein, nach Ausbildungsabschluss mindestens fünf Jahre in einem einschlägigen Mangelberuf in Mecklenburg-Vorpommern tätig zu bleiben. Diese Bindungsklausel stärkt den Fachkräfteverbleib im Land nachhaltig. Die Berufsschulen im Land müssen besser ausgestattet werden; lange Fahrzeiten durch ausgedünnte Standorte sind für Auszubildende auf dem Land eine ernsthafte Belastung und ein echter Attraktivitätsverlust. Zugleich wollen wir die Meisterförderung stärken und Imagekampagnen für Handwerksberufe intensivieren. Der gesellschaftliche Trend zur Akademisierung geht an der Realität vorbei: Ein gut ausgebildeter Handwerksmeister schafft mehr Werte und hat oft bessere Einkommensperspektiven als mancher Hochschulabsolvent. Damit der Weg zum Meisterbrief für niemanden an finanziellen Hürden scheitert, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Kosten der Meisterausbildung zu mindestens 90 Prozent durch staatliche Förderung übernommen werden.
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN M-V
Spitzenkandidatin Claudia Müller